Inspiration

Beim Überlegen, welche Reiseziele uns für 2024 am meisten reizen könnten, gibt es ein Gefühl, dass eigentlich wieder alles möglich ist.

Als die letzten Winkel Asiens Anfang des Jahres wieder ihre Grenzen vollständig öffneten, wurde der Einfluss der Pandemie auf unsere Reisen endlich geringer. Wir Reisenden sind nun eher in der Lage, wieder die weitesten Abenteuer ins Auge zu fassen, unsere Wunschliste abzustauben - und oft an die Orte zurückzukehren, die wir lieben und vermissen.

Die Welt bleibt in vielerlei Hinsicht ein unberechenbarer und komplizierter Ort. Und wir werden daran erinnert, dass Reisen der grösste Luxus ist, müssen wir uns die Frage stellen: Wohin sollen wir im Jahr 2024 verreisen? Wohin zuerst? Was passt zu unserem Budget?

Es gibt so viele überzeugende Gründe, im kommenden Jahr in die Ferne zu reisen. Es wird so viel Neues angeboten: von bahnbrechenden Ökotourismus-Initiativen bis hin zu restaurativen Projekten, die den Einheimischen ihre Geschichten zurückgeben, die ihre Vergangenheit mit ihrer Zukunft verbinden. Und wir, die Reisenden? Wir haben die Qual der Wahl.

Um Ihnen zu helfen, das Reiseziel zu finden, das Ihre Urlaubstage wert ist, haben wir entschieden, uns auf Westeuropa zu beschränken.

Caravanning © Bert Schwarz 2024

Monatelang haben wir recherchiert, diskutiert und aus einem grossen Liste fantastischer Städte, Regionen und Länder ausgewählt. Das Ergebnis ist unser dieser Reiseführer mit den zwölf Reisezielen, die uns für 2024 am besten gefallen. Dazu gehören die Kirschblüten an der Deutsche Weinstrasse, hautnahe Begegnungen mit dem Duft von Parfum in Grasse oder die rauhe Schönheit der Biskaya, gepaart mit der Herzlichkeit der Basken: «Euskadi!» . Die vollständige Wunschliste mit all ihren Sehenswürdigkeiten, Kultur- und Kunstschätzen ist eine grosse Herausforderung, spiegelt aber wider, wie gross, schön und vielfältig unsere Welt ist - auch ohne grosse Fernreisen.

Hier sind die 24 Vorschläge, die unserer Meinung nach im kommenden Jahr auf dem Radar eines Reisenden sein sollten. Wir können es kaum erwarten, unseren Wohnwagen anzuspannen, zu verreisen und unsere Erlebnisse mit Ihnen zu teilen. - Bert Schwarz

Unsere 24 schönsten Orte für 2024

Bayonne, Frankreich

Entscheide Dich für eine lebendige, mittelalterliche Stadt auf individuelle Weise
Bayonne, Place Morlesin-Carreau des halles © Bert Schwarz 2023

Bayonne ist vor allem bekannt für ihre baskische Kultur und Architektur. Das malerischste Viertel Bayonnes erstreckt sich entlang des Flusses Nive, wo man sich ab und zu an ein baskisches Amsterdam erinnert fühlt. Bayonne ist auch die Heimat der Chocolatiers und des berühmten Bayonner Schinkens.

Neben Spaziergängen durch die Strassen dieses wunderschönen Viertels und dem Geniessen seiner ausgezeichneten Architektur kannst Du das Baskische Museum besuchen (Musée basque et de l’histoire de Bayonne). 1922 gegründet enthält es eine schöne Sammlung baskischer und lokaler französischer Geschichte. Es befindet sich in einem kleinen Stadtpalais aus dem 16. Jahrhundert, der „Maison Dagourette“.

Zwei Produkte sind typisch für Bayonne und beide werden seit dem Mittelalter in der Stadt hergestellt: Bayonner Schinken und Schokolade. Der Schinken wird gepökelt, luftgetrocknet und mit Pfeffer gewürzt. Er stammt aus der nahe gelegenen Stadt Espelette. Es gibt ihn in jeder Bar und jedem Restaurant der Stadt. Ein Besuch beim Schinkenmacher Pierre Ibaialde im Herzen von Petit Bayonne ist ebenfalls möglich.
Die zweite Bayonner Spezialität ist Schokolade, die ursprünglich durch sephardische Juden in die Stadt kam. Zum Schokolade probieren gibt's gefühlt an jeder Ecke der Stadt Chocolaterien - v.a. in der Rue Port-Neuf. Wirklich Schokoladen-Interessierte, sollten das „Atelier du Chocolat“ besuchen, das im Viertels St. Esprit liegt. Neben einer Schokoladenprobe gibt's dort einiges über die Geschichte der Schokolade, sowie eine Sammlung alter Werkzeuge und Maschinen.

Jedes Jahr während des Feiertagswochenende an Christi Himmelfahrt feiert Bayonne seine Schokoladentage („Les Journées du Chocolat“).

Biarritz, Frankreich

Entscheide Dich für den städtischsten der Badeorte an der baskischen Küste
Biarritz, Villa Belza © Bert Schwarz 2023

Biarritz verführte im 19. Jahrhundert die Kaiserin Eugenie und die Grossen dieser Welt und ist mit seinen grossartigen Stränden, Golfplätzen, Thalassotherapie Zentren, Geschäften, Kunstgalerien und Szene-Bars ein Muss an der baskischen Küste. Ein Paradies für Surfer und Feinschmecker.

Biarritz und der Atlantik sind untrennbar miteinander verbunden. Der Aufstieg (248 Stufen) auf den Leuchtturm wird mit einem atemberaubenden Panoramablick von der spanischen Küste über das Landesinnere bis hin zu den riesigen Stränden des südwestfranzösischen Küstengebiets belohnt.

Mitten in Biarritz, gegenüber von la Vierge Rocher, öffnet das Aquarium von Biarritz seine Pforten und führt uns zu einer Entdeckung des Meeresbodens. Fünfzig Aquarien warten mit Quallen, Haien oder Robben... Wir entdecken hier die Arten, die die Atlantikküste bewohnen.

Einst mondäner Badeort, in dem sich die Reichen der Welt ein Stelldichein gaben, schmückt sich Biarritz auch heute noch mit imposanten Gebäuden, so etwa zwei Kasinos im Art-déco-Stil, die berühmte Villa Belza, das prunkvolle Luxushotel Hôtel du Palais, ein Geschenk Napoleons III. an Kaiserin Eugénie, und die im byzantinischen Stil erbaute orthodoxe Kirche, die heute noch davon zeugt, dass sich im vergangenen Jahrhundert auch die russische High Society in Biarritz zur Sommerfrische einfand.

Saint-Jean-de-Luz, Frankreich

Entscheide Dich für ein früheres Versteck baskischer Korsaren, der heute ein Badeort ist
St.-Jean-de-Luz, Pl. Louis XIV © Bert Schwarz 2023

Nur 20 Minuten von Biarritz entfernt und in vielerlei Hinsicht ähnlich, ist Saint-Jean-de-Luz doch ganz anders: Die Atmosphäre ist hier noch entspannter. Die Stadt ist im Sommer sehr belebt, aber nicht überfüllt.

So wurde im Juni 1660 eine der bedeutendsten politischen Hochzeiten der Geschichte in Saint-Jean-de-Luz gefeiert, was dieses königliche Ereignis bis heute zu einem Stolz für Les Luziens macht.

Die Hauptattraktion von Saint-Jean-de-Luz ist zweifelsohne sein wunderschöner Strand, der einfach Icon de numéro Grande plage genannt wird. Der halbmondförmige Strand wird von drei riesigen Deichen vor den Wellen geschützt, was ihn zum idealen Ort für Familien mit Kindern macht, ganz zu schweigen von den zahlreichen Aktivitäten und Spielen, die entlang der Strandpromenade angeboten werden.

Ein Spaziergang auf der Promenade, die an der gesamten Bucht entlangführt, ist ein absolutes Muss. So können Sie das aussergewöhnliche Panorama bewundern: das Kantabrische Meer auf der Meeresseite und die baskische Architektur auf der Stadtseite.

Colmar, Frankreich

Entscheide Dich für die elsässischste Stadt des Elsass
Colmar, Petite Venise © Bert Schwarz 2023

Eingebettet in die Weinberge, hat die Stadt es verstanden, sich ihre Lebensart zu bewahren: Gemütlichkeit und Gastfreundschaft finden wir hier überall. Colmar bietet einen spannenden Rundgang durch über tausend Jahre europäischer Geschichte mit einem reichen Kulturerbe, das zu den besterhaltenen zählt.

Colmar ist mit rd. 70.000 Einwohnern nach Strasbourg und Mulhouse drittgrösste Stadt im Elsass. Sie wird 823 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Durch Friedrich II. erhält Colmar Stadtrechte, wird 1226 Reichsstadt und Mitte des 14. Jahrhunderts Mitglied im Zehnstädtebund, einem Bündnis 10 freier Reichsstädte im Elsass. Seit 1673 gehört Colmar zu Frankreich.

Den Rundgang durch die Altstadt beginnen wir am Museum Unterlinden durch die Rue de Tête am mit über 100 Köpfen geschmückten Maison des Têtes vorbei zur Dominikanerkirche (Église des Dominicains). Das 1283 errichtete Bauwerk ist heute Museum und beherbert als bedeutendstes Werk Martin Schongauers. Colmars wichtigster Sakralbau ist das Martinsmünster (Cathédrale St. Martin) mit wertvollen Glasfenstern. Nahe dem Martinsmünster befindet sich das um 1537 erbaute Pfisterhauswohl, das als schönstes Fachwerkhaus gilt.

Ein Spaziergang durch das sich anschliessende Viertel Klein-Venedig (Petite Venise) ist lohnenswert. An dem Flüsschen Lauch liegen malerische, mit Blumen geschmückte Fachwerkhäuser.

Strasbourg, Frankreich

Entscheide Dich für eine Stadt, die das Kontinuum der Zeit auf ihre Weise konserviert
Strasbourg, Petite France © Bert Schwarz 2023

Strasbourg ist eine der ungewöhnlichsten Städte Frankreichs. Einen Steinwurf von der deutschen Grenze entfernt, erinnert man sich sehr gut daran, dass die Stadt je nach Ausgang mehrerer Kriege mal zum einen oder anderen Staat gehörte. So ist ihre Geschichte ... und Kultur ... immer eng mit der des angrenzenden Landes, Deutschland, verknüpft.

Strasbourg ist die perfekte Ouvertüre zu allem, was das Elsass so eigenwillig macht. Auf schmalem Grat zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen mittelalterlicher Vergangenheit und fortschrittlicher Zukunft schafft es die Stadt auf unnachahmliche Weise, den Bogen zu spannen.

Wenn sich der Blick auch nur eine Minute von dem faszinierenden gotischen Münster abwendet, führt er in die verwinkelten Gassen der Altstadt mit ihren schiefen Fachwerkhäusern, in gemütliche Weinstuben an den Kanälen im Petite France schlemmen und staunen, dass diese Stadt, die so bekannt für Weihnachtsmärkte und Lebkuchen ist, auch das gläserne EU-Viertel und Frankreichs zweitgrösste Studentengemeinde beherbergt. Aber das ist Strasbourg: je schöner seine Widersprüche sind, desto perfekter die kulturübergreifenden Eigenheiten.

San Sebastiàn, Spanien

Entscheide Dich für ein städtisches Kleiod mit munterer Altstadt, tollem Strand, Gastronomie und Kultur
San Sebastiàn, Innenstadt © Bert Schwarz 2023

Das Seebad San Sebastián, baskisch Donostia, zählt zu den schönsten Städten an der baskischen Küste. Gelegen an einer traumhaften Bucht, umgeben von den Ausläufern der Pyrenäen, bietet die Stadt muntere Lebendigkeit, eine aussergewöhnliche gute Gastronomie und ein abwechslungsreiches Kulturangebot.

Dies machte die Stadt während der Belle Époque berühmt, als Königin Maria Cristina hier ihre Sommerresidenz einrichtete. Die offensichtlich glamouröse Vergangenheit San Sebastiáns ist auch heute noch in der ganzen Stadt gut sichtbar.

La Concha, der schönste Stadtstrand Europas, ist mit aussergewöhnlichen Villen übersät und beherbergt das berühmte Spa La Perla (Die Perle). Die Strandpromenade ist mit einem kunstvoll verzierten weissen Geländer ausgestattet, das zu einem Symbol der Stadt geworden ist. Zwei weitere, weniger exklusive Strände als La Concha ergänzen das Stadtzentrum. Surfer kennen vor allem den Zurriola-Strand.

In den letzten Jahren hat San Sebastián viel Lob für seine Gastronomie erhalten. Die Stadt besitzt 14 Michelin-Sterne in 6 Restaurants und kann sich damit rühmen, mehr Sterne pro Einwohner zu haben als der Rest der Welt ausser Tokio. - Na, gut. Dies bedarf noch einer genaueren Untersuchung, denn wir sind nicht nur spontan hierher gekommen, sondern auch sehr spontan bei einer Bar hängen geblieben, um dort Tapas zu essen, was uns auch sehr ans Herz gelegt worden war ... und die man praktischerweise fast überall angeboten bekommt.

San Sebastián ist auch für seine Pintxos berühmt. Und der beste Ort, um sie zu probieren, ist in der Parte Vieja (historisches Viertel). Dieses charmante alte Stadtzentrum ist dafür bekannt, die grösste Konzentration an Bars der Welt zu beherbergen. Der Pintxo ist hier König und die Küche wird sehr ernst genommen. Davon haben wir uns natürlich auch ausgiebig überzeugt.

Hendaye, Frankreich

Entscheide Dich für einen kleinen exklusiven Badeort, der direkt an der spanischen Grenze liegt
Hendaye, Zwillingsfelsen © Bert Schwarz 2023

Am Anfang der baskischen Steilküste gelegen liegt der charmante Badeort Hendaye an einem harmonischen Küstenabschnitt, der von zahlreichen Villen im neo-baskischen Stil vom Beginn des 20. Jahrhunderts geradezu gespickt ist. Dieses unter Denkmalschutz stehende Erbe können Sie bei einem Spaziergang auf dem angenehmen Boulevard am Meer erkunden.

Direkt an der Grenze zu Spanien zwischen Meer und Pyrénéen liegt Hendaye. In der Stadt mit dem drei Kilometer langen Sandstrand ist den ganzen Tag lang abwechslungsreich. Wir beginnen unseren Ausflug im Norden der Stadt, wo sich der Küstenweg über die Steilküste zieht. Umgeben von einem geschützten Naturpark geniessen Sie hier die Kühle von den Bäumen und eine herrliche Aussicht auf die Buchten Baie du Figuier und von Hondarribia in Spanien. Dann geht es zum Château d'Abbadia. Das extravagante neugotische Schloss und das dazugehörige Observatorium zählen zu den interessantesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. 1864 im Auftrag von Antoine d’Abbadie errichtet, spiegelt es die exzentrische Persönlichkeit seines ehemaligen Besitzers wider.

Ein besonderes Naturschauspiel erwartet Sie am Großen Strand: Die imposanten Zwillingsfelsen Les deux jumeaux gehören zu den Wahrzeichen von Hendaye. An der Promenade entlang des Strandes sticht ein Gebäude im maurischen Stil ins Auge: das ehemalige Kasino von Hendaye. Hendaye besitzt wunderschöne Grünanlagen mit zahlreichen verschiedenen Baumarten: Tamarisken, Palmen, Eukalyptus, Mimosen, Oleander. - Das Stadtzentrum prägen markante Gebäude im neubaskischen Baustil des beginnenden 20. Jahrhunderts. Von hier geht es hinunter zum hübschen Hafen Caneta. Dort schmiegt sich die Bucht Txingudi in die Landschaft. Und gleich gegenüber liegt Spanien. Auf dem Rückweg kommen Sie erneut an einem Gebäude im maurischen Stil vorbei. Wir lassen den Abend schliesslich bei südländischer Stimmung und leckeren Tapas ... auf der spanischen Seite der Grenze ausklingen.

La Rhune, Frankreich

Entscheide Dich für atemberaubende Natur mit Bergen und Meer
La Rhune © Bert Schwarz 2023

Der Gipfel von La Rhune ist 905m hoch und sehr beliebt. Man wandert je nach Route zwischen 2½ Stunden und knapp 5 Stunden, aber für alle gibt's ein aussergewöhnliches 360°-Panorama ... wenn die Wolken weg sind. Wir fahren rund 20 Minuten lang mit der alten Zahnradbahn.

Von den offenen und wunderschön restaurierten alten Waggons aus geniessen wir die typischen grünen Hügel der Pays Basque auf unserem Weg zum Gipfel von La Rhune. Wir sehen Pottoks, halbwild lebende Ponys, bei denen man vorsichtig sein sollte. Sie sehen nett aus, sind nicht scheu und an vorbei wandernde Menschen gewöhnt. Aber sie sind die Chefs am Berg und wenn ihnen etwas nicht passt, treten sie zu. Aus sicherer Entfernung erfreuen wir uns an der Aussicht, die ein Vorgeschmack auf das ist, was uns auf dem Gipfel erwartet. Dort gibt es viel Platz zum Spazierengehen und zum Picknicken - in den Restaurants, die 'schon' in Spanien liegen - oder mit dem mitgebrachten Proviant. Der Panoramablick vom Gipfel aus ist aussergewöhnlich: Er erstreckt sich auf die mit bunten Fachwerkhäusern übersäten Hügel des baskischen Piemont, die Gipfel der Pyrenäen, die baskische Küste und die Bucht von Saint-Jean-de-Luz mit seinen langen, hellen weithin sichtbaren Stränden. Dann wird es Zeit, mit dem Zug zurückzufahren und dabei neue Ausblicke zu entdecken.

Bergerac, Frankreich

Entscheide Dich für eine alte, mittelalterliche Stadt mit jungen Menschen
Bergerac, © Bert Schwarz 2021

Bergerac ist eine Stadt der Kunst und Geschichte. Hier, am Ufer der Dordogne lässt es sich gut zu leben. Die Menschen hier essen und lachen gerne. Gastronomie ist hier das Thema: z.B. Frisches Geflügel mit Foie Gras auf einem Stück Toast. Eine gute Mahlzeit. Natürlich mit einem Wein aus der Region.

Bergerac selbst nahm uns mit seinem Charme und viel Freundschaft auf. Knappe zwei Tage waren wir hier, um uns einen Überblick zu verschaffen. Dies nehmen wir als Erkenntnis mit: Wir müssen wiederkommen, die Frankreich-typischen Dimensionen der Parkhäuser, vor allem in den Ausfahrtsbereichen gefährden das eigene Blech und die Felgen und die Parkgebühren sind überschaubar.

Die schöne Altstadt mit seinen historischen Fachwerkhäusern muss man einfach erwandern. Das ist halb so schlimm auch für Fussfaule, wie mich. Zum einen ist die Altstadt nicht riesig und zum Andern kann man, wenn man denn will, von einem Restaurant ins nächste fallen. Verhungern und verdursten muss hier niemand.

Es ist auf jeden Fall eine gute Idee für jeden Besucher, sich im Office de Tourisme am Quai Cyrano einzufinden. Hier gibt's gute Tipps für die Ahnungslosen.

Und dann ist da noch Cyrano de Bergerac, der lediglich eine literarische Figur ist. Obwohl Savinien Cyrano, das reale Vorbild zu Edmond Rostands Helden, niemals seine lange Nase in die Stadt im Périgord hinein steckte, wurde er dennoch einer der berühmtesten Bergeracois. Die Stadt verdankt dieser Figur ihre Bekanntheit und sein Geist ist überall spürbar.

Sarlat-la-Canéda, Frankreich

Entscheide Dich für eine lebendige Stadt aus dem Mittelalter wie für eine Filmkulisse gemacht
Bergerac, © Bert Schwarz 2021

Sarlat-la-Canéda ist die berühmteste Stadt der Region, liegt im Périgord Noir und ist einer der bekanntesten und meistbesuchten Orte Frankreichs. Sie ist auch eine der attraktivsten. In und mit den toll restaurierten Gebäuden atmest Du Geschichte und Gegenwart der Stadt, die nur ein paar Kilometer nördlich des Flusses Dordogne liegt.

Im Osten des Departements zwischen den Flüssen Dordogne und Vézère gelegen, ist Sarlat heute eines der schönsten mittelalterlichen Ensembles in Europa. Sarlat hat das Malerische seiner Gassen und die Schönheit seiner Denkmäler bewahrt. Wir gehen durch die Gassen der Stadt und bewundern fast tausend Jahre authentische Architektur. Bodenständig geblieben, ist Sarlat der ideale Ort, um die Gastronomie Périgourdine zu entdecken: das Paradies der Trüffel, Pilze, Gänseleber, Süssigkeiten, Kuchen und feinen Delikatessen der Region, die périgourdins. Diese kulinarische Tradition von Aromen und Geschmacksrichtungen finden wir auf den schönen Märkten von Sarlat. Die gibt es das ganze Jahr über, zwei Mal wöchentlich, am Mittwoch und Samstag Morgen. Das ist ein Muss wenn man im Périgord zu Besuch ist.

Lascaux IV, Frankreich

Entscheide Dich für eine Zeitreise zu den ganz frühen Bewohnern des Périgord
Bergerac, © Bert Schwarz 2021

Gut 10 Minuten von unserem Campingplatz entfernt, liegt am Rand von Montignac die Höhle von Lascaux. Sie ist weltberühmt für ihre palöolitischen Höhlenmalereien. Sie werden auf bis zu 20.000 Jahre alt geschätzt.

Das Vézère-Tal in der Dordogne, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde, ist voll von prähistorischen Stätten mit um die 25 Höhlen, darunter eben auch die berühmte Höhle von Lascaux in Montignac. 9 000 m² Gebäude fügen sich in die Landschaft ein, gestreckt wie eine zur Seite offene Fassade, von oben durch das begrünte Dach fast nicht zu sehen. Das ist das Lascaux International Center oder besser «Lascaux IV», denn die Höhle ist fast vollständig rekonstruiert. 1983 wurde Lascaux IV für die Öffentlichkeit freigegeben und war das erste Faksimile einer Höhle der Welt, das die beiden berühmtesten Galerien enthielt: den Salle des Taureaux und das Diverticule Axial, die mit beeindruckender Präzision identisch reproduziert wurden. Wenige hundert Meter von der ursprünglichen Höhle entfernt liegt «Lascaux IV», bereit zu einem ausgiebigen Besuch, der so nah wie möglich an der ursprünglichen Höhle stattfinden kann.

Rocamadour, Frankreich

Entscheide Dich für ein vertikales Dorf - Etappe des Jakobswegs
Bergerac, © Bert Schwarz 2021

Rocamadour ist ein kleines Dorf auf einer Klippe mit Blick auf das Alzou-Tal in der Region Lot. Rocamadour ist vor allem ein bedeutender Wallfahrtsort. Seit dem 12. Jahrhundert zog es Herrscher und Heilige aus ganz Europa an. Mit dem wachsenden Erfolg wird die kleine Stadt nach und nach mit religiösen Gebäuden und Festungsanlagen überbaut.

Rocamadour ist ein beliebtes Ziel für Touristen - und auch für Pilger. Tatsächlich kommen die Pilger schon seit vielen Jahrhunderten hierher, um das Heiligtum Unserer Lieben Frau von Rocamadour zu sehen, einen Komplex religiöser Strukturen, in dessen Mittelpunkt eine wundertätige Statue der Jungfrau Maria steht, sowie das Grab eines alten Heiligen. Der Legende nach floh Zachäus von Jericho, der mit Jesus gesprochen haben soll, nach Rocamadour, um der Verfolgung zu entgehen. Es heißt, er habe eine Marienstatue mitgenommen. Er starb dort etwa 70 nach Christus.

Bald darauf begannen die Pilger zu kommen, und viele berichteten von wundersamen Ereignissen. Damals wie heute gab es 216 Felsstufen, die als Grand Escalier bekannt sind und zur Kapelle der Muttergottes führen. Die Pilger stiegen oft auf ihren Knien hinauf. Könige und Kleriker kamen in großer Zahl. Im Jahr 1166 stieg der Ruhm von Rocamadour sprunghaft an, als in einem alten Grab in der Nähe der Marienkapelle eine perfekt erhaltene Leiche gefunden wurde. Es hieß, der Leichnam sei der des Heiligen Amadour. Er war ein Einsiedler aus dem 4. Jahrhundert, aber es ist nicht viel über ihn bekannt. Die von Zachäus gekaufte Marienstatue, die als Schwarze Madonna bekannt ist, kann in der Chapelle de Notre-Dame besichtigt werden (Historikern zufolge stammt sie wahrscheinlich aus der Zeit zwischen dem 9. und dem 12. Jahrhundert.) An der Decke hängen ausserdem Modelle von Segelbooten. Sie wurden von Seeleuten dargebracht, die zu Maria um eine sichere Überfahrt und Rettung aus dem Schiffbruch beteten. Über der Tür, die zur Kapelle führt, befindet sich ein Eisenschwert, das der Legende nach dem Ritter Roland, einem Neffen Karls des Grossen, gehörte. Als er im Sterben lag, rief er den Erzengel Michael an, er möge ihm helfen, das Schwert zu werfen, damit es nicht in feindliche Hände falle. Er landete mehrere hundert Kilometer entfernt in der Felswand von Rocamadour. Sie können es sehen, eingebettet in den Stein (und mit einem Aussehen aus dem 18. Jahrhundert).

La Gare - Espace Robert Doisneau, Frankreich

Entscheide Dich für einen Ort, die Arbeit eines aussergewöhnlichen Fotografens kennenzulernen
La Gare, Carlux, © Bert Schwarz 2021

Wer sich ernsthaft für das Metier Fotokunst interessiert, muss sich auch mit den alten Herstellungsarten auskennen, auch wenn heute vordergründig jedes Smartphone Bilder machen kann. Das ist der Unterschied zwischen ein Bild knipsen und der Fotografie.

Dieser ehemalige Bahnhof wurde geschmackvoll renoviert und präsentiert eine hervorragende Sammlung der Fotokunst von Robert Doisneau. Auch in Frankreich werden Bahnlinien stillgelegt und der eine oder andere Bahnhof bleibt übrig. Liebevoll und mit Geschmack renoviert steht einer hier in Carlux, gleich neben dem früheren Bahndamm, der heute ein Fahrrad-Schnellweg zwischen Sarlat und Cazoulès ist. Der Bahnhof Robert Doisneau stellt ganzjährig auch die Arbeiten anderer Künstler temporär aus. Eine Gelegenheit, weitere Fotokunst zu entdecken. Hier ist, auf drei Ebenen verteilt, eine ungewöhnliche Ausstellung untergebracht, in der Design und Authentizität nebeneinander bestehen. Der Gare Robert Doisneau beherrbergt zwei Ausstellungen, die einzigartig in Frankreich sind. Dies ist die einzige, ständige Ausstellung, die Robert Doisneau gewidmet ist. Im Erdgeschoss finden wir Fotos von Robert Doisneaus Ferien in der Dordogne und im Lot aus dem August 1939, dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Wir entdecken bekannte Landschaften, Familienfotos, und Bilder von Kanufahrten... Zeitlose Fotos einer (fast) unveränderten Dordogne.

Grasse, Frankreich

Entscheide Dich für eine aussergewöhnliche Stadt mit einer exklusiven Tradition
Grasse © Bert Schwarz 2017

Wer Grasse besucht, muss sich mit dem Thema "Parfum" beschäftigen. Nicht allein des Themas wegen, sondern weil sonst das Verständnis für den Ort verschlossen bleibt, durch den man geht oder fährt. Wie immer hängt auch hier alles mit allem zusammen und die Entwicklung der Stadt ist untrennbar mit der Entwicklung der Düfte verwoben.

Im Mittelalter war die Lederindustrie das führende Gewerbe und die Gerber hatten ihre Werkstätten in der ganzen Stadt verteilt. Grasse-Leder war sehr bekannt und beliebt. Die damals zum Gerben übliche Harnsäure erzeugte einen penetranten, unangenehmen Geruch. Um dem ein Ende zu setzen, wurden Bäder mit Blumen aus provenzalischen Gärten wie z.B. Lavendel, Myrte, Jasmin, Rose, wilde Orangenblüten und Mimosen ausprobiert.

Dieser neue Trend breitete sich auf den Königshöfen und dann auf die gesamte High Society aus. Aufträge kamen zu Hauf und so wuchsen die Betriebe der Parfumeure und verdrängten sukzessive die Gerber aus der Stadt.

Die seltenen Blumen von Grasse - Lavendel, Myrte, Rose, Orangenblüte, Mimose und vor allem Jasmin - die "mythische Blume" der Stadt - wurden zu den lokalen Schätzen. Von der Herstellung natürlicher Rohstoffe bis zur Herstellung von Konzentraten wird hier das gesamte jahrhundertealte Know-how zusammengeführt.

Cyranos Traum - Villa Arnaga, Cambo-Les Bains, Frankreich

Entscheide Dich für den Traum eines grossen Autors des vorletzten Jahrhunderts
Villa Arnaga, Cambo-Les Bains, © Bert Schwarz 2023

Die Villa Arnaga spiegelt das Schwanken des Herzens ihres Erbauers wider. Er war hin- und hergerissen zwischen seiner Vorliebe für Einsamkeit und Einfachheit, die sich in der Aussenansicht des Hauses und dem Garten mit Blumenwiese nach Westen hin widerspiegelt.

Bevor Arnaga ein Museum wurde, war es ein Traum, der Traum eines grossen Autors des vorletzten Jahrhunderts, Edmond Rostand. Er hatte sich dieses Haus sehnlichst gewünscht, es sich ausgedacht und bis ins kleinste Detail entworfen. Das Haus im neobaskischen Stil erscheint von aussen traditionell. Im Inneren erinnert es an ein prächtiges Theaterdekor. Um das grosse Haus herum liess Edmond Rostand einen 15 ha grossen Garten anlegen, die auf der Zerrissenheit dieses Menschen zeigt : einerseits Reichtum und Prunk, andererseits Sanftmut und Intimität. Es ist ein seltener Fall in der Literaturgeschichte: Jedes Mitglied der Familie Rostand ist Schriftsteller. Rosemonde Gérard ist die erste, die etwas veröffentlicht. Edmond Rostand wurde durch seine Theaterstücke, insbesondere "Cyrano de Bergerac" im Jahr 1897, immens berühmt. In der Stadt Bergerac finden sich Statuen und weitere Verknüpfungen zu dieser Figur der Literatur.

Paris, Frankreich

Entscheide Dich für die Stadt der Liebe
Metro, Paris © Bert Schwarz 2023

Nach vielen Jahren kehre ich zurück nach Paris. Auf den gleichen Campingplatz. Mit den gleichen Vorstellungen. Voller Neugierde auf das, was sich in mehr als dreissig Jahren in dieser Stadt wohl anders geworden ist. Um es vorweg zu nehmen: es hat sich viel verändert.

Als wir früher Paris besuchten fuhren wir in die Stadt und liessen uns ... recht planlos ... treiben. Wir verbrachten viele Stunden beim Schaufenster-bummeln, kehrten dann in das eine oder andere Café ein für einen Kaffe oder zwei und vielleicht auch noch ein Stück Kuchen. Oder der Hunger war etwas grösser und wir gönnten uns ein Crêpe oder Galette und ein Glas Wein. (Fast) Überall trafen wir auf entspannte Menschen, die ihren Tätigkeiten nachgingen und uns hier und da Tipps gaben, was unbedingt besucht und angeschaut werden sollte. Diese Zeit ist vorbei. Auch die Anzahl der früher allgegenwärtigen 2CV ist auf das Menge des "Oh! Guck mal!" geschrumpft. Die Menschen wirken auf uns fast überall so gehetzt wie in jeder anderen Grossstadt. Der Verkehr hat gefühlt abgenommen, dafür scheint Paris zu einert einzigen Grossbaustelle geworden zu sein, die den Verkehrsfluss sehr effizient stört. Andererseits finden wir zu viel mehr Parkhäusern als früher, was einerseits sehr angenehm ist - andererseits aber auch sehr teuer. Die Metro bietet sich als Verkehrsmittel an. Das System und die Handhabbarkeit auch für Unwissende hat mich als bekennend Ablehnender von ÖPNV dennoch überzeugt. Die Aufgabe jedoch, vom Campingplatz zum Beispiel bis zur nächsten Metrostation zu gelangen, bestätigt alle meine Skepsis.

Centre Pompidou, Paris, Frankreich

Entscheide Dich für zeitgenössische Kunst in nicht alltäglichem Ambiente
Centre Pompidou, Paris © Bert Schwarz 2023

Als Reisevorbereitung für „nur“ eine Woche Aufenthalt in Paris haben wir uns für den Besuch im Centre Pompidou entschieden. Das Konzept der ständig wechselnden Ausstellungen gefiel uns und moderne und zeitgenössische Kunst ist eher unser Ding.

Das Centre national d’art et de culture Georges-Pompidou, oder von den Einheimischen gern Beaubourg genannt, ist ein staatliches Kunst- und Kulturzentrum im 4. Arrondissement von Paris. Es wurde auf Initiative des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Georges Pompidou nach einer fünfjährigen Bauzeit am 31. Januar 1977 eröffnet. Dieses Museum beginnt schon von aussen, interessant zu sein. Treppen und Gehsteige an den Aussenfronten verlaufen in Glasröhren, die immer neue Blickwinkel auf Paris eröffnen. Und von hier aus geht es in die Ausstellungen, die - gefühlt - ständig wechseln. Das ist ein Konzept, über das wir schon "da wird ja immer nur gebaut," hörten. Oft neue Ausstellungen anzubieten, ist das Konzept dieses Hauses. Wir finden dies eigentlich spannend, denn bei einem erneuten Besuch tritt man in ein völlig anderes Museum ein, auf das sich wieder neu eingestellt werden muss. Auf der 4. Etage befindet sich die Zeitgenössische Sammlung des Kunstmuseums. Seit dem hundertsten Geburtstag des Künstlers Joseph Beuys im Jahr 2021 ist dort in einem eigenen Bereich fast die gesamte aussergewöhnliche Sammlung von Werken des deutschen Künstlers präsentiert. 20 Werke sind von Beuys, der durch seine Filz-Kreationen bekannt wurde, sind dort aussergewöhnlich in Szene gesetzt. Sie wird durch Hildegard Webers Installation "Hommage à Beuys '86" ergänzt. Umgebungen, Skulpturen, Objekte, Zeichnungen, Filme, Videos, Fotografien, Archive und Dokumente setzen alle Facetten der charismatischen Persönlichkeit von Joseph Behufs in einem Rundgang durch vier Säle zusammen.

Sanary-sur-Mer, Frankreich

Entscheide Dich für ein Fischerdorf mit bewegter Geschichte
Sanary-sur-Mer © Bert Schwarz 2014

Von Marseille kommend fährt man auf dem Weg nach Toulon durch Bandol oder auf der Umgehungsstrasse vorbei. In diesem Fall verpasst man ein an einer hübschen Bucht gelegenes und seit dem 19. Jahrhundert sehr beliebtes Seebad.

Sanary ist ein Geheimtipp seit mehr als 100 Jahren und hat eine etwas bewegtere Geschichte: Nach 1933 holte Rene Schickele seine verfolgten Freunde - Bertolt Brecht, Lion Feuchtwanger, die Brüder Mann, Erwin Piscator, Ernst Toller, Franz Werfel und viele andere. So wurde Sanary-sur-Mer zum Refugium einer aus Nazi-Deutschland vertriebenen Elite. Das ging nur bis 1940 gut, denn Viele, die nicht rechtzeitig in die USA ausgewandert waren, wurden dann von der Vichy-Regierung in den berüchtigten Lagern, z.B. in Les Milles in der Nähe von Aix-en-Provençe, interniert. Einigen, den Feuchtwangers, Werfels sowie Heinrich und Golo Mann gelang eine abenteuerliche Flucht über die Pyrenäen. Die 1944, vor der Landung der Alliierten, gesprengte Villa «La Tranquille» der Manns wurde wieder aufgebaut. Heute sind Bandol und Sanary-sur-Mer immer noch sehr beliebte Badeorte. Und ebenso unverändert gut ist der Rosé von Bandol, einer der uns am besten schmeckenden Weine der Gegend.

Museum Georg Schäfer, Schweinfurt, Deutschland

Entscheide Dich für ein Kulturangebot von internationalem Rang
Museum Georg Schäfer, Schweinfurt © Bert Schwarz 2021

Das Museum Georg Schäfer in Schweinfurt gibt es seit dem Jahr 2000. Bis heute erregt es internationale Aufmerksamkeit wegen seiner Exponate, wie auch als architektonisches Meisterwerk von Volker Staab. Hier findet sich eine einzigartige Sammlung deutscher Malerei und Zeichenkunst von 1760 bis 1930.

In Qualität und Umfang steht die Sammlung Georg Schäfer auf gleichem Niveau wie die Alte Nationalgalerie Berlin und die Neuen Pinakothek in München mit ihren Kollektionen. Unsere Reise den Main hinab führt uns nach Schweinfurt und in das Museum Georg Schäfer. Diese Stadt kannte ich als Industriestandort, brachte es mit Getrieben für Fahrräder und Kugellagern in Verbindung. Die Kugellager waren letztlich dann auch der Treibsatz für das Museum, denn Georg Schäfer (1896-1975) entwickelte Wälzlager, mit denen er Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Markt kam. Mit der beginnenden Motorisierung wurde Kugellagerfertigung zu einer der Schlüsselindustrien und für Schäfer die finanzielle Ausstattung für seine Sammelleidenschaft. Er konzentrierte sich vorzugsweise auf die deutsche Kunst des 19. Jahrhunderts und trug mit der Zeit eine einmalige Sammlung zusammen. Schäfers Erben brachten rund 1.000 Gemälde und 4.650 Zeichnungen in die 1997 gegründete Sammlung-Dr.-Georg-Schäfer-Stiftung ein. Diese wurde durch umfangreiche Zustiftungen (2005, 2016, 2017) und weitere wichtige Leihgaben zusätzlich vermehrt. So wurde das Museum Georg Schäfer zur bedeutendsten Privatsammlung der Kunst des 19. Jahrhunderts des deutschsprachigen Raums. Für Menschen mit und ohne künstlerische oder kunsthistorische Vorbildung eröffnet das Museum Perspektiven, die unverwechselbaren Charakteristika der Malerei des 19. Jahrhunderts zu entdecken. Das Museum versteht sich als Forum zur internationalen Verbreitung der Kunst dieser Zeit und ich bin einmal mehr davon fasziniert, wie sich der Strom der Zeit kontinuierlich fortsetzt und Gedankenansätze wie von selbst produziert, das Heute zu verstehen und einzuordnen.

Brantôme, Frankreich

Entscheide Dich für ein Dorf, dem Venedig des Périgord
Brantôme © Bert Schwarz 2022

Brantôme wird auch das Venedig des Périgord genannt. Es liegt im Périgord Vert nördlich von Périgueux. Hier gibt es schöne Denkmäler während eines angenehmen Besuchs zu sehen, viel Wasser, wo immer etwas Neues geschieht und einen Dorfkern, der alt - aber kein Museum ist.

Eine echte Sehenswürdigkeit ist die Site troglodytic der Abtei von Brantôme. Da findet man die Spuren der "Wohnungen" der ersten Benediktinermönche aus dem 8. Jahrhundert. Höhlen als Häuser, Taubenhäuser, den Brunnen Saint-Sapalo, die gegrabene Grotte "Höhle des Jüngsten Gerichts", in der sich zwei Flachreliefs befinden. Eines davon ist sehr rätselhaft. Die Abtei Saint-Pierre de Brantôme ist eine Kirche mit rechteckigem Grundriss, die aus drei Schiffen besteht, zwei für das Kirchenschiff und eines für den Chor, die nach dem Hundertjährigen Krieg wieder aufgebaut wurde. Das Ensemble wird von drei angevinischen Gewölben mit starkem Wölbungsprofil gekrönt. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert und steht unter dem Doppelbegriff des Heiligen Petrus und des Heiligen Sapalo, einem der unschuldigen Heiligen von Bethlehem, die nach dem Matthäus-Evangelium auf Befehl von König Herodes getötet wurden. Ein Fragment der Reliquie des Kindes wird in der Kirche in einem eleganten Schrein aufbewahrt. Saint Sapalo liegt an einer der zahlreichen Nebenachsen, die von Vézelay aus nach Santiago de Compostela führen, und wurde von zahlreichen Pilgern verehrt. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche in die Liste der historischen Denkmäler aufgenommen und vom Architekten Paul Abadie (1812-1884) restauriert.

Roubaix, Frankreich

Entscheide Dich für eine Universitätsstadt mit industrieller Vergangenheit
Roubaix © Bert Schwarz 2022

Roubaix hat den Niedergang der Textilindustrie und des dazu gehörenden Maschinenbaus für Webstühle und auch noch das Ende des Kohlebergbaus hinnehmen müssen. Heute vollzieht sich ein Strukturwandel, es entsteht Neues, das leider nicht immer Bestand hat und Neues, das bleibt.

Vor diesem historischen Hintergrund lässt sich ein Wachsen der künstlerischen Szene beobachten. Und es ist spannend, sich mit den Themen auseinanderzusetzen, die sich hier entwickeln. Es erinnert ein wenig an das Berlin der 90er Jahre. Mit teilweise ausgesprochen subversiven Aussagen begleitet die StreetArt den Besucher überall in der Stadt. Kunst begleitet uns in all ihren Formen nicht allein in grossen Museen, sondern auch als Textildesign, das die Jahrhunderte alten Traditionen des Webens und der Herstellung von Stoffen auf eigene Art fortsetzt. Wer Roubaix besuchen will, sollte über den normalen Stadtbummel hinaus planen: Ein spontanes Gespräch in einem der vielen Restaurants kann Spannendes hervorbringen. Und das sind dann meist die Erinnerungen, an die sich auch noch nach Jahren gern erinnert wird. Für die kurze Zeit unseres Besuches von Roubaix haben wir uns drei Highlights ausgesucht, die uns für diese Stadt und der jetzigen Zeit typisch erscheinen. Im Museum der Manufaktur von Roubaix sehen wir alte Webstühle, bekommen einen Einblick in die Textilproduktion bis zurück zum Mittelalter und erkennen einige Gründe, die zur Verlagerung dieser Industrie führten. Kunst, die sich auch ihren Platz in einer alten Fabrikhalle erobert hat, fanden wir im La Condition Publique, wo internationale, zeitgenössische Kunst und aktuelle gesellschaftliche Themen den Besucher gefangen nehmen.

LouvreLens, Frankreich

Entscheide Dich für einen Besuch im Louvre in einer alten Bergbauregion
LouvreLens © Bert Schwarz 2022

Das im Dezember 2012 eröffnete Musée du Louvre-Lens befindet sich in der kleinen Bergarbeiterstadt Lens, die mit ihren rd. 30.000 Einwohnern inmitten der Bergbauregion des Nord-Pas de Calais liegt.

Die Galerie du Temps ist das Herzstück des Louvre-Lens. Sie beherbergt mehr als 200 Meisterwerke aus den Sammlungen des Louvre auf einer spektakulär auf einer Fläche von 3.000 m² ausgestellt. Hier lässt sich ein einzigartiger Streifzug durch die Kunstgeschichte, von der Erfindung der Schrift in Mesopotamien im 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung bis zur Industriellen Revolution in der Mitte des 19. Jahrhunderts verfolgen. Die sowohl chronologisch als auch multidisziplinär angelegte Installation erschafft den Dialog zwischen Epochen, Techniken und Zivilisationen. Am 29. November 2004 gab Premierminister Jean-Pierre Raffarin bekannt, dass Lens als Standort für den neuen Louvre ausgewählt wurde. Die Entscheidung, sich in der ehemaligen Grube 9 von Lens niederzulassen, soll die Anerkennung Frankreichs für ein Gebiet ausdrücken, das mehrmals durch Krieg und den Kohlebergbau beschädigt wurde. Geprägt von seiner Bergbauvergangenheit und Geschichte, hat Lens die Herausforderung angenommen, seine Zukunft zu gestalten. Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa verwirklichen hier die Idee, mit Transparenz und Offenheit nach aussen einen sanften und diskreten Übergang zur Umgebung zu schaffen. Der Louvre-Lens wurde auf einem 20 Hektar großen Gelände errichtet, das von den Schächten 9 und 9bis eingenommen wurde. Nach der Stilllegung des Kohlebergbaus im Jahr 1960 wurde dieses Gelände von der Natur zurückerobert. Abweichend von den grossen vertikalen Strukturen, die von Architekten oft bevorzugt werden, beschloss SANAA, auf die sehr lineare, horizontale Architektur, die von den Bergwerken übernommen wurde, mit einem sehr langen Gebäude auf einer einzigen Ebene zu reagieren. Der Hauptbaukörper folgt dem sanften Gefälle des Geländes, ohne jemals eine Höhe von sechs Metern zu überschreiten, so dass an einigen Stellen die Wipfel der Bäume sichtbar bleiben. Auf diese Weise fügt sich die Architektur auf subtile Weise in die Umgebung ein, ohne sie zu dominieren.

Château de Castelnaud, Frankreich

Entscheide Dich für einen Ort, wo der Wind der Geschichte immer noch weht
Château de Castelnaud © Bert Schwarz 2022

Die Burg ist eine von vielen mittelalterlichen Burgen, die im Périgord Noir entlang der Dordogne zu finden sind. Auf einem Felsen, nicht weit von Sarlat-la-Canéda und Bergérac entfernt, steht sie am Ufer der Dordogne gegenüber einer anderen Befestigung, der Burg Beynac.

Die erste und historisch gesicherte Erwähnung findet die Burg Castelnaud 1214, als Simon IV. de Montfort, Anführer des Kreuzzuges gegen die Albigenser, im Auftrag des Papstes Innozenz III. die Burg eroberte und sie in das Eigentum des französischen Königs Philipps II. zurückführte. Im Hundertjährigen Krieg war Castelnaud durch seine exponierte, schwer angreifbare Lage hoch über dem Fluss eine strategisch wichtige Festung und wechselte mehrere Male seinen Besitzer. Zu Beginn der Französischen Revolution 1789 wurde Castelnaud geplündert und angezündet. Das Mauerwerk blieb jedoch bis 1832 erhalten, als man beschloss, die Burg als Steinbruch zu nutzen, um Uferbefestigungen der Dordogne zu errichten. Während der Religionskriege von 1562 bis 1598 herrschte einer der bedeutendsten Hugenotten, Geoffroy de Vivans, über Castelnaud. De Vivans stand in direkter Gunst Heinrichs IV. und spielte seine machtvolle Position in der Region erfolgreich aus – Castelnaud war in dieser Zeit keinerlei Angriffen ausgesetzt. Ende des 16. Jahrhunderts liess Jacques Nompar de Caumont noch einmal umfangreiche Erweiterungsbauten durchführen, doch Castelnaud verlor zunehmend an Bedeutung. Der Beginn der Französischen Revolution 1789 brachte dann das «Aus». Castelnaud wurde geplündert und angezündet. Das Mauerwerk blieb bis 1832 erhalten und diente als Steinbruch für Uferbefestigungen der Dordogne und den Hausbau im Dorf.

Lille, Frankreich

Entscheide Dich für eine lebendige, alte und doch moderne Stadt in Nordfrankreich
Lille © Bert Schwarz 2022

Lille ist die Hauptstadt des Departements Nord in der Region Hauts-de-France. Sie liegt nur wenige Kilometer südlich der unsichtbaren Grenze zu Belgien und gehört zu Flandern. - Die "Hauptstadt Flanderns", wie sie in Frankreich genannt wird, blickt auf eine atemberaubende und bewegte Geschichte zurück.

In Lille lässt sich ein Stadtbummel wie - fast - überall auf der Welt machen: In den Einkaufsstrassen Schaufenster angucken, ins Geschäft gehen, einkaufen, dann im nächsten Café oder Restaurant sich stärken und dann wieder zurück ins Hotel oder ein anders geartetes Schlafgemach. Das funktioniert hier wie überall auf der Welt, aber so bleibt die Hauptstadt der Region Hauts-de-France die vielleicht am meisten unterschätzte Metropole Frankreichs. In den letzten Jahrzehnten hat sich die viertgrösste Stadt des Landes (gemessen an der grösseren Stadtfläche) von einem Industriezentrum in ein vibrierendes Kultur- und Handelszentrum verwandelt. Zu den Höhepunkten gehören die bezaubernde Altstadt mit prächtiger französischer und flämischer Architektur, Museen, stilvolle Geschäfte, eine hervorragende Küche, ein von 67.000 Universitätsstudenten belebtes Nachtleben und rund 1.600 Designer in der näheren Umgebung. Und es gibt Orte zum Verweilen, sich ausruhen, eventuell auch noch ein oder zwei Kaffee zu trinken. Wir fanden einen davon direkt am Rand der Altstadt. Es ist die Grüne Lunge der Stadt, die das Areal der Zitadelle umgibt, mit Schatten der Bäumen zwischen Kanälen, Fuss- und Radwegen. Der Grand Place heisst auch Place du Général de Gaulle. Der spätere Präsident Frankreichs wurde 1890 hier geboren. Damals wie heute ist der Platz Mittelpunkt der Stadt. Seit dem 17. Jahrhundert wird hier reger Handel betrieben, die prächtige Alte Börse ist der anschauliche Beweis. Direkt dahinter liegt der zweite, wichtige Platz der Stadt: der Place du Théâtre mit der Oper sowie der Handelskammer, die seit dem 20. Jahrhundert die Alte Börse ergänzt.

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