Wertheim
Spessart-Reise
Produktion :
© 2025
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Wertheim ist die nördlichste Stadt Baden-Württembergs und liegt an der Mündung der Tauber in den Main, an den Ausläufern des Odenwaldes bzw. des Spessarts jenseits des Mains. Die im Norden vom Main begrenzte Gemeinde gehört in seinen westlichen Teilen mit der Wertheimer Hochfläche und den tief eingeschnittenen Tälern des Mains und der Tauber naturräumlich zum Sandstein-Spessart.
Auf meiner Weltreise durch den Spessart ist Wertheim das neunte Etappenziel, das südliche Ende der Route, die sich von hier aus wieder nach Norden wendet.
Eine gute viertel Stunde, oder ca. 12 km, fährt man mit dem Auto vom Campingplatz in die Stadt. Dabei folgt man der Mainschleife, immer entlang der Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Dort, wo die Tauber in den Main mündet, lässt sich das Auto gut abstellen, oder man fährt weiter zum Parkplatz Leberklinge, von wo aus es fussläufig über kleine Brücken über die Tauber hinüber und geschichtsträchtigen Gebäuden vorbei direkt in die Altstadt geht. Das Wahrzeichen Wertheims, die Burg, lässt sich gut ansehen - und für die, die den Anblick länger geniessen wollen, gibt's auch Bänke.
Erbaut im 12. Jh., thront die Burg auf einer Bergzunge oberhalb von Wertheim zwischen Main und Tauber. Als Sitz der Grafen von Wertheim wurde die Burg bis ins 17. Jahrhundert kontinuierlich erweitert. 1619 wurde sie durch eine Pulverexplosion teilweise zerstört und stand im Dreissigjährigen Krieg stark unter Feuer, sodass heute nur noch die Ruine der ursprünglichen Burganlage übrig blieb. Jedoch zählt sie heute zu den schönsten und grössten Steinburgruinen Süddeutschlands. Von hier aus hat man einen einzigartigen Blick über Wertheim, die Flüsse und die Umgebung.
Mitten im malerischen Wertheim steht die evangelische Stiftskirche St. Marien. Im Jahr 1384 legte Graf Johann I. von Wertheim den Grundstein für die spätgotische, dreischiffige Basilika, die vermutlich auf den Fundamenten zweier romanischer Vorgängerbauten steht.
Im Zentrum von Wertheims Altstadt befindet sich der historische Marktplatz. Der Platz ist umgeben von reich verzierten und wunderbar erhaltenen Fachwerkhäusern, die zum Teil aus dem 16. Jahrhundert stammen. Am Marktplatz Nr. 6 befindet sich eines der ältesten und gleichzeitig wohl schmalsten Häuser Frankens, erbaut um 1520. Genau hinsehen lohnt sich! In der fantasie- und qualitätsvollen Fassade finden sich die regionstypischen sogenannten „Neidköpfe“, Fratzenköpfe und Tiergestalten, die Unheil vom Hause abhalten sollten, damit deren Bewohner ruhig und sicher schlafen konnten.
Der Wertheimer Wochenmarkt findet jeden Mittwoch und Samstag jeweils vormittags auf dem Marktplatz statt. Der Grüne Markt, wie er auch genannt wird, steht für Frische und Regionalität, für Begegnung, Genuss und sinnliches Erleben. Ein wenig erinnert mich der Markt an die Wochenmärkte, die ich in Frankreichs Städten und Dörfern kennengelernt habe.
An der Mündung der Tauber in den Main, der Mainspitze, steht der Spitze Turm. 141 Stufen führen zur Spitze. Der Lohn der Mühe ist eine grandiose Aussicht über die Dächer der historischen Altstadt und Wissenswertes über das Bauwerk.
Er war ursprünglich ein Wachturm. Im 13. Jh. errichtet und im 15. Jh. mit einem achteckigen Oberbau versehen, der die Neigung des Unterbaus auszugleichen versucht.
Er diente als Gefängnis für Trunkenbolde und zänkische Weiber. Im Innenbereich ist das sogenannte Angstloch erhalten geblieben, eine Öffnung im Boden auf der Ebene des ursprünglichen Eingangs in 10 m Höhe, der nur über eine Leiter erreichbar war. Heute würde man das Loch Revisionsschacht nennen, der aber wohl auch als psychologisches Druckmittel gegen die Gefangenen genutzt wurde.
Vom Parkplatz Leberklinge aus kommt man an der ehemaligen Fürstlichen Hofhaltung mit dem Weissen Turm der Stadtmauer in der Mühlenstrasse vorbei, in der heute das Wertheimer Rathaus untergebracht ist. Im 17./18. Jahrhundert wurde der Gebäudekomplex als Hofhaltung des katholischen Fürstenhauses mit aufwendigem Barocksaal ausgebaut. Bis 1781 diente es der Fürstenfamilie als Hofhaltung und in den 1970er Jahren erfolgte dann der Umbau zum Rathaus.
Das Blaue Haus ist eines der Fachwerkhäuser in der Wertheimer Altstadt mit blauem Fachwerk. Für die blaue Färbung des Fachwerks wurde Smalte genutzt, ein kobalthaltiges Glas, das fein gerieben als Pigment dient. Die Herstellung war sehr teuer und die Farbe dementsprechend kostbar. Der Bauherr konnte sich von seinen Nachbarn abheben und seinen Reichtum demonstrieren. Die Blaufassung wurde im Jahr 1999 wieder hergestellt. Im Inneren des Hauses ist ausserdem eine aufwändige Stuckdecke erhalten.
In Wertheim sind die Highlights etwas versteckt und springen einem nicht gleich ins Auge. Man kann die Stadt an einem Tag erkunden ... und hat eigentlich nichts gesehen. Um die Stadt wirklich kennenzulernen, sollte man sich drei, vier Tage Zeit nehmen und sich auf die Besonderheiten der Stadt und der Gegend drum herum einlassen.