Der Louvre in Lens
Gläserne Eleganz in der Bergbauregion
Art
Produktion :
© 2022
Gläserne Eleganz in der Bergbauregion
Das im Dezember 2012 eröffnete Musée du Louvre-Lens befindet sich in der kleinen Bergarbeiterstadt Lens, die mit ihren rund 30.000 Einwohnern inmitten der geschichtsträchtigen Bergbauregion des Nord-Pas de Calais liegt. Wo einst Kohle gefördert wurde, steht heute ein Ort der Transparenz und Offenheit.
Ein Denkmal für den Norden
Die Entscheidung im Jahr 2004, den neuen Louvre in der ehemaligen Grube 9 anzusiedeln, war ein starkes Zeichen der Anerkennung Frankreichs für ein Gebiet, das durch Krieg und Bergbau gezeichnet wurde. Geprägt von seiner Vergangenheit, hat Lens die Herausforderung angenommen, seine Zukunft neu zu gestalten. Das Museum wurde auf einem 20 Hektar grossen Gelände errichtet, das nach der Stilllegung der Schächte im Jahr 1960 zunächst von der Natur zurückerobert worden war.
Horizontale Leichtigkeit
Kazuyo Sejima und Ryue Nishizawa (SANAA) verzichteten auf vertikale Dominanz. Stattdessen reagierten sie auf die lineare Struktur der Bergwerke mit einem flachen, horizontalen Gebäude auf einer Ebene. Der Bau folgt dem sanften Gefälle des Geländes und überschreitet nirgends eine Höhe von sechs Metern. So bleiben die Wipfel der Bäume sichtbar, und die Architektur dominiert die Umgebung nicht, sondern verschmilzt mit ihr.
Galerie du Temps
Die Galerie du Temps ist das Herzstück des Museums. Auf spektakulären 3.000 Quadratmetern präsentiert sie mehr als 200 Meisterwerke aus den Sammlungen des Louvre – völlig ohne Unterteilungen oder Trennwände. Die chronologische Ausstellung reicht von der Erfindung der Schrift in Mesopotamien im 4. Jahrtausend v. Chr. bis zur industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Jedes Jahr zum Jubiläum im Dezember werden Werke ausgetauscht, sodass die Präsentation stets in Bewegung bleibt.
Von Botticelli bis Tintoretto
Zu den ständig wechselnden Highlights gehören Werke wie Murillos Junger Bettler, Botticellis Jungfrau mit Kind oder Tintorettos Badende Susanna. Diese Anordnung schafft eine aussergewöhnliche Reise durch die Menschheitsgeschichte und vermischt Epochen und Techniken auf eine Weise, die im Pariser Haupthaus so nicht erlebbar wäre.
Ein lebendiges Museum
Neben der permanenten Sammlung werfen hochkarätige Wechselausstellungen jedes Jahr einen neuen Blick auf die Kunst der Welt. Besonders spannend: Der Louvre-Lens gewährt Einblicke in sein „verborgenes Leben“. Durch grosse Erker sind die Reserven und die Restaurierungswerkstätten für Besucher sichtbar, was den Louvre-Lens zu einem besonders nahbaren und transparenten Museumserlebnis macht.
